9. Tagung des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung

Universität Osnabrück und Kunsthalle Osnabrück
10.–12. Oktober 2018

Der folgende Bericht erschien in: KULTUR.POLITIK.DISKURS. Aus Lehre und Forschung des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Heft 19|2019. S. 74-75.

AUFTRAG KUNST. Die politische Dimension der Kulturellen Bildung
Von Claudia Roßkopf

The Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung devoted its ninth conference to the topic “Political Dimensions of Arts Education”. The keynotes, panels, laboratories and barcamp sessions provided a wealth of discussion material for around 100 delegates. The conference was jointly organised with the Network’s partners, the Department of Art and Arts Education of the University of Osnabrück, the Kunsthalle Osnabrück and in cooperation with the Federal Agency for Civic Education.

Die 9. Tagung des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung nahm sich die vielschichtigen Beziehungen zwischen Kultureller Bildung und ihren politischen Dimensionen vor. Mit über 20 Keynotes, Panels und Laboren entstand ein breites Spektrum an Impulsen mit oft ganz aktuellen Bezügen zu gegenwärtigen politischen Entwicklungen. Am 10. Oktober 2018 fand der Auftakt in der Kunsthalle Osnabrück statt, die dieses Mal zu den Kooperationspartnern gehörte. Auf dem Weg zu den Tagungsräumen gab die aktuelle Ausstellung von Christoph Faulhaber, „Revolution & Architektur“, ein gutes Beispiel dafür, wie Kunst politische Themen und Machtverhältnisse aufgreifen kann. Zur Begrüßung sprach Andreas Brenne, Professor für Kunst und ihre Didaktik/Kunstpädagogik an der Universität Osnabrück – Netzwerkpartner und gemeinsam mit dem Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung, Hildesheimer Institut für Kulturpolitik, Veranstalter dieser Tagung. Zur Einführung sprach Sabine Dengel von der Bundeszentrale für politische Bildung, die ebenfalls zu den Kooperationspartnern und Förderern der Tagung zählte.

Die erste Keynote erfolgte aus Perspektive eines zeitgenössischen Künstlers, Manaf Halbouni. Er sprach über eine Auswahl seiner Werke wie beispielsweise „Monument“, das 2017 vor der Frauenkirche in Dresden in Form aufgestellter Busse zu sehen war, sowie über dessen Bezüge zur gegenwärtigen Situation in Syrien. Waltraud Meints-Stender stellte in ihrer Keynote zu „Konstellationen von Politik und Kunst“ den theoretischen Zugang und den Zusammenhang von Politischer und Kultureller Bildung her. Eine weitere Keynote bereicherte den Austausch um eine international vergleichende Perspektive: Věra Uhl Skřivanová sprach über die Facetten der Kulturellen Bildung in der Tschechischen Republik.

Im Laufe der drei Tage gaben die Keynotes sowie die Panel- und Laborbeiträge, Barcampsessions und Clustertreffen Impulse zu Austausch und Diskussion unter den rund 100 Teilnehmenden. Akteure aus der Kulturellen und der Politischen Bildung, aus der Wissenschaft und der Kulturvermittlung, aus Theater, Musik, Museum waren beteiligt. Der Diskussionsbedarf war in Anbetracht der unterschiedlichen Perspektiven und der vielen Themen groß – von den Verhältnissen zwischen Ästhetik, Bildung und Politik, Versprechungen und Erwartungen, Engagement und Empowerment, Entgrenzungen und Ausgrenzungen über das „Zauberwort“ Qualität bis hin zu Machtverhältnissen und Mechanismen von Handlungs- und Wirkungsfeldern der Kulturellen Bildung.

KÜNSTLERISCHE LABORE UND BARCAMPSESSIONS: DIVERSE ZUGÄNGE SCHAFFEN
Die künstlerischen Labore boten Gelegenheit, die Themen in ganz unterschiedlicher Form zu vertiefen. Dabei entstanden Origami-Häuser und Performances inmitten von „#1 Paradies“, einer Installation von Christoph Faulhaber, die an ein überdimensionales Bällebad erinnert. Während des gemeinsamen Experimentierens wurden die eigene Positionierung, der künstlerische Ausdruck und Kunst als Mittel zur Sichtbarmachung akuter soziopolitischer Fragestellungen im öff entlichen Raum refl ektiert. Parallel fanden in Osnabrücks Stadtraum ortsspezifische Performances statt, um Zukunftsvisionen zu artikulieren, während in einem weiteren Labor die bildbasierte, partizipative Erhebungsmethode Photovoice ausprobiert und diskutiert wurde. Die Barcampsessions konnten je nach Interesse und Diskussionsbedarf genutzt werden, um selbst Themen zu setzen und Formate zu testen. Kleine Gruppen verteilten sich auf dem Unigelände, im benachbarten Schlossgarten oder in die Stadt auf einen Spaziergang. Dabei entstanden neue Diskussionsrunden, Kontakte und Kooperationsideen.

THEMENCLUSTER: SCHWERPUNKTE SETZEN
Ein weiterer Slot stand den Themenclustern zur Verfügung. Diese wurden von Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen gegründet, um sich mit einem Aspekt der Forschung zu Kultureller Bildung im Rahmen selbst organisierter Treff en auseinanderzusetzen. Sie nahmen die Netzwerktagung zum Anlass, sich nicht nur zu treffen, sondern auch vorzustellen. Interessierte und Neugierige lernten die Inhalte und Mitglieder kennen und tauschten sich vor Ort aus. Die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu den jeweiligen Clustersprecher_innen besteht darüber hinaus über die Kontaktdaten auf der Website des Netzwerks.

FORSCHUNGSKOLLOQUIUM: WISSENSCHAFTLER_INNEN VERNETZEN
Neben den jährlichen Tagungen und den Themenclustern bildet das halbjährliche Forschungskolloquium einen wesentlichen Bestandteil des Netzwerks. Auch der 9. Tagung des Netzwerks ging ein solches Kolloquium voraus. Rund 15 – teils bekannte, teils neu hinzugekommene – Wissenschaftler_innen trafen sich, um aktuelle Promotionsvorhaben unterschiedlicher Stadien zu diskutieren. Die Formulierung der Forschungsfrage und damit einhergehend schließlich auch die eigene Motivation, die eigene Rolle und Erwartungshaltung, das Spannungsverhältnis zwischen Theorie und Praxis wurden reflektiert. Methoden wie die Diskursanalyse oder die Grounded Theory Methodology, Forschungsfelder wie Museen, Projekte der Leseförderung oder der digitale Raum wurden kritisch und kollegial besprochen. Die wissenschaftliche Begleitung bestand wieder aus Vertreter_innen des Koordinierungskreises – eine der tragenden Säulen des Netzwerks.

DAS NETZWERK: KOORDINIERUNGSKREIS UND SCIENTIFIC COMMITTEE
Aktuell zählt der Koordinierungskreis zehn Mitglieder, die mit ihrer jeweiligen Expertise und ihrem Engagement nicht nur das Forschungskolloquium begleiten, sondern – unter anderen – im Scientific Committee der Netzwerktagungen und der dazugehörigen Publikationen vertreten sind. Das Scientific Committee der 9. Netzwerktagung bildeten: Andreas Brenne, Katharina Broennecke, Nikola Dicke, Verena Freytag, Leila Haghighat, Fabian Hofmann, Sarah Kuschel, Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Claudia Roßkopf, Christel Schulte. Alle Mitglieder des Koordinierungskreises werden auf der Website des Netzwerks vorgestellt.

AUSBLICK: PUBLIKATION UND 10. NETZWERKTAGUNG
Die Auswahl der Themen und Beiträge stieß bei der 9. Netzwerktagung auf großes Interesse und die Friedensstadt Osnabrück bot mit dieser Tagung eine gern und gut genutzte Plattform für kontroverse und konstruktive Diskussionen. Die Veröffentlichung von Beiträgen ist in Form eines Tagungsbandes bei kopaed sowie in Auszügen bei kubi-online.de in Arbeit.

Ebenso ist die nächste und zehnte Netzwerktagung bereits in Vorbereitung. Sie wird vom Fachbereich Soziale Arbeit, Medien, Kultur der Hochschule Merseburg ausgerichtet, vertreten durch Nana Eger.

SAVE THE DATE: 21. bis 23. November 2019

Claudia Roßkopf ist seit Juli 2018 verantwortlich für die Geschäftsstelle des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung. Seit Dezember 2017 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Rez@Kultur für den Bereich der Kulturellen Bildung am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Sie promoviert zu Kunstmuseen als Akteure der Kulturellen Bildung im digitalen Raum.

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