AUFTRAG KUNST. Die politische Dimension der Kulturellen Bildung
9. Tagung des Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung

Universität Osnabrück
10.–12. Oktober 2018

CALL FOR PAPERS

Ausrichter
Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück

Im Diskurs um die Kulturelle Bildung und den ihr zugeschriebenen Wirkungen, taucht immer wieder das Motiv der gesellschaftlichen Teilhabe als politische Dimension Kultureller Bildung auf. Insbesondere im Hinblick auf gesellschaftlich virulente Themen wie Migration, Globalisierung und Inklusion fühlt sich die Kulturelle Bildung herausgefordert und in unterschiedlicher Weise angesprochen.
Dabei stellt sich die Frage, in welcher Wechselbeziehung Kultur und Politik zueinander stehen. Insbesondere in der zeitgenössischen Kunst wird explizit die politische Relevanz künstlerischer Artikulationen hervorgehoben, d.h. dass Kunst nicht nur eine ästhetische, sondern eine damit verwobene politische Dimension aufweist, die mit Blick auf Kulturelle Bildung relevant wird. Künstlerische Praxis ist demnach nicht nur ein Instrument, das politische Zusammenhänge offenlegt, sondern gleichzeitig ein wirksames Medium der Agitation, mittels dessen demokratische und ästhetische Freiräume sowie gesellschaftliche Beteiligungen ermöglicht werden können und sollen. Hier stellt sich die Frage, ob sich derartige mit Kunst verbundene Versprechungen und Hoffnungen in
Kulturellen Bildungspraxen auch so zeigen bzw. ob diese sich ohne weiteres in das Feld der Kulturellen Bildung übertragen lassen.

Ein anderer Aspekt betrifft die begrifflich-strukturelle Relation zwischen Kunst, Bildung und Politik. Politik kann als eine spezifische Kulturform verstanden werden und Akte kultureller Formgebung immer auch als politische Artikulationen. Andererseits handelt es sich systemisch gedacht um divergente soziale Praxen, die zwar miteinander interagieren, aber deren Binnenkommunikation inkommensurabel ist. Dies bedenkend erscheint die gängige Annahme, dass kulturelle Kompetenzen im Hinblick auf gesellschaftlicher Teilhabe wirksam werden können, durchaus problematisch. Es fehlen theoretische Konzepte, die die Schnittstellen von Kunst, Bildung und Politik sowie die Gemeinsamkeiten, Brücken, Übergänge etc. von/zwischen sozial-kulturellen Differenz- und Praxisordnungen thematisieren. Theoretisch gesprochen ist beispielsweise die Bewertung des jeweiligen kulturellen Kapitals, über das Personen verfügen, stets gebunden an hegemoniale politische Verhältnisse und habituell hergestellte und sich ausdrückende Distinktionen. Auf den ersten Blick sind politische Diskurse abhängig von ästhetischen Formationen und kollektiven Vorstellungen von Kultur, aber auch von übergreifenden gesellschaftlichen Entwicklungen bspw. einer individualisierten Erlebnisgesellschaft, alltagskulturell erfahrbaren Entstrukturierungen des Sozialen etc.

Diese Überlegungen betreffen unterschiedliche plurale Diskurs-, Themen- und Praxisfelder sowie Akteure. Es ist ein Ziel der Tagung diese zusammenzubringen, um die Vielfalt von praktischen Erfahrungen und theoretischen Perspektiven zu nutzen und kulturell politische Räume zum Debattieren zu öffnen. Dabei soll auch die Frage diskutiert werden, welche Chancen und Herausforderungen sich Kultureller Bildung im Hinblick auf aktuelle rechte politische Tendenzen stellen, wobei hier sowohl theoretische Fundierungen als auch empirische Zugänge relevant sind.

Die Proposals sollen sich mit folgenden oder ähnlichen Fragen auseinandersetzen:

Gesellschaftliche Rahmungen und Anforderungen
Welche Erwartungen stellt Politik an Kulturelle Bildung? Welche Potenziale werden Kultureller Bildung im Hinblick auf Transformation des Interkulturellen sowie Veränderungen der Zivilgesellschaft und des Sozialen zugeschrieben? Was ist politisch und was heißt heute politisch agitieren? Inwieweit werden politisierte Formen Kultureller Bildung von Seiten vorhandener Förderprogrammen beachtet und unterstützt?

Praxisfeld Kultureller Bildung
Welche Angebote sind in der Kulturellen Bildung beobachtbar? Welche Formen findet die politische Dimension in der Kulturellen Bildung? (Wie) kann man Gruppen adäquat benennen, wie wird angesprochen und von welcher Position? Welche Rolle spielt Teilhabe in den Künsten (historisch, programmatisch, praktisch)?

Theoriebildung und Herausforderungen für die Kulturelle Bildung
Inwieweit sind politische Künstler_innen mit Blick auf Professionalität gute Bildner_innen? Welche Rollen spielen Inklusion und Exklusion in der politischen Kulturellen Bildung? Welche Vernetzungsaktivitäten und -strukturen bestehen mit anderen Akteuren der politischen Bildung? Welche Entgrenzungs- und Institutionalisierungsprozesse sind im Rahmen des Politischen zu beobachten?
Auf welche Theorien nehmen Forschungen zur politischen Dimension Kultureller Bildungsprozesse Bezug? Bei wem und wo sind Forschungsprojekte verortet und wie geht man mit der Inkommensurabilität künstlerischer Prozesse um? Welches Verständnis von Kultureller Teilhabe liegt vor und inwieweit lässt sich daraus das Praxisfeld verstehen bzw. auch kritisch befragen? Wie definieren, thematisieren und kommunizieren die beteiligten Akteure Begriffe wie Kultur, Teilhabe, Partizipation, Benachteiligung, Demokratie, Migration oder Inklusion? Welche Dimensionen und Formen von Teilhabe werden erforscht? Welche Akteure stellt Forschung in den Fokus? Und welche hegemonialen Aspekte konterkarieren Ermöglichungsstrategien?

Alle Beiträge sind aufgefordert kurz darzulegen, welche methodologischen Forschungsstrategien und methodischen Vorgehensweisen aus ihrer Sicht geeignet erscheinen, um Teilhabe im Kontext Kultureller Bildung zu erforschen, zu modellieren und normative bzw. forschungsethische Fragen anzusprechen. Welche (hegemonialen) Paradigmen dominieren den Forschungsdiskurs und die damit verbundenen Förderlinien? Welche Fragen werden gestellt und welche Desiderate lassen sich
identifizieren? Inwieweit generiert Forschung zu Kultureller Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe selber Teilhabe und Ausschluss?

Ausgehend von den oben dargestellten Ansatzpunkten, die am Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück diskutiert werden, lädt der Call explizit auch Einreichung zu Positionen ein, die sich von diesen unterscheiden und andere Perspektiven einnehmen.

HINWEISE FÜR DIE EINREICHUNG VON TAGUNGSBEITRÄGEN
Panelbeiträge (20-30 Minuten)
Die Bewerbung für Panelbeiträge sollte folgende Angaben enthalten: 1. Abstract des Beitrags (ca. 1500 Zeichen incl. Leerzeichen), 2. Zentrale Fragestellung/Ergebnis des Beitrags (max. 500 Zeichen incl. Leerzeichen), 3. Relevanz des Beitrags für das Tagungsthema (max. 1000 Zeichen incl. Leerzeichen), 4. Kurz-Vita (max. 500 Zeichen incl. Leerzeichen).

Künstlerische Labore
Die Labore sind auf 90 Minuten angelegt und haben das Ziel mittels eines künstlerischen Angebots mit einer begrenzten Gruppe von Tagungsteilnehmenden ästhetisch forschend tätig zu sein. Einzureichen sind eine Kurzbeschreibung des Labors (max. 1000 Zeichen inkl. Leerzeichen), die Relevanz des Beitrags für die Tagungsthematik (max. 1000 Zeichen inkl. Leerzeichen) sowie eine Kurz-Vita (max. 500 Zeichen inkl. Leerzeichen). Für die künstlerischen Labore ist eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 350€ vorgesehen.

Match: Forschung/Praxis

Welche Themen und Bedarfe sollten aus Perspektive der Praxis in wissenschaftlicher Forschung aufgegriffen werden? Akteure der Praxis sind eingeladen für sie relevante Fragen oder Bedarfe gemeinsam mit Wissenschaftler_innen zu diskutieren, mit dem Ziel Forschungsfragen zu formulieren. Reichen Sie eine kurze Beschreibung Ihrer Fragestellung aus der Praxis (ca. 1000 Zeichen) ein. Wir werden eine_n geeignete_n Wissenschaftler_in suchen und die Frage im Rahmen der Tagung diskutieren.

Offener Workshop im Rahmen eines Barcamps
Das Format des Barcamps lädt alle Teilnehmenden der Tagung ein am zweiten Tagungstag Workshop-Angebote zu platzieren. Diese können im Vorfeld der Tagung digital oder bis zum Morgen des 11. Oktober eingereicht werden. Die jeweiligen Sessions, in Form von Vorträgen, Diskussionsgruppen oder künstlerischen Interventionen, werden zu Beginn des Barcamps kurz vorgestellt und Interessierte eingeladen teilzunehmen. Eine vorherige Einreichung von Beiträgen ist nicht erforderlich aber erwünscht. Informationen zu dem Open-Space-Format Barcamp z.B. hier.
Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an das Organisationsteam (s. unten).

Senden Sie die Abstracts für Panels, Labore und Matches als Word-Dokumente bis zum 01. Mai 2018 an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Über die Annahme der Beiträge entscheidet das Scientific Committee bis zum 1. Juni 2018. Eine Benachrichtigung erfolgt direkt im Anschluss.

Das Scientific Committee der 9. Netzwerktagung besteht aus
Prof. Dr. Andreas Brenne (Universität Osnabrück)
Katharina Brönnecke (Universität Osnabrück)
Nikola Dicke (Künstlerin, Universität Osnabrück)
Prof. Dr. Verena Freytag (Universität Kassel)
Leila Haghighat (Doktorandin, Universität für Angewandte Kunst Wien)
Prof. Dr. Fabian Hofmann (Fliedner Fachhochschule)
Sarah Kuschel (Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung)
Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (Universität Hildesheim)
Christel Schulte (Kunsthalle Osnabrück)

Organisationsteam
Prof. Dr. Andreas Brenne, Katharina Brönneke
Fachgebiet Kunst, Universität Osnabrück

CALL FOR PAPERS als PDF