HochschullernWERKstätten zwischen Kooperation und Kollaboration

Freie Universität Bozen, Campus Brixen
13. - 15. Februar 2019

Die Fakultät für Bildungswissenschaften und die Universitätsbibliothek laden zur 12. Internationalen Tagung der Hochschullernwerkstätten nach Südtirol ein. Hochschullernwerkstätten sind der Ort an und in dem u.a. das am Werk sein bzw. das Tätigsein, der Diskurs und die Reflexion in Lern-, Arbeits- und Spielsituationen im Mittelpunkt stehen und in dem aus einer vielleicht pragmatisch verstandenen Kooperation eine am Gegenstand, dem Werk, eine Kollaboration wird. Diese Perspektiven sollen auf der Tagung in Vorträgen vorgestellt, in den Workshops erarbeitet und gemeinsam diskutiert werden. Das Tagungsthema bietet dabei unterschiedliche Zugänge und Lesarten an. 

Als zeitliches Kontinuum lässt sich „Spielen – Lernen – Arbeiten“ anthropologisch begründen: Für Fröbel war das freie selbsttätige Spiel vor allem im frühen Kindesalter die wirksamste Selbstbildungsmethode in einem durch die Erzieher gegebenen Rahmen (vgl. Neumann, Sauerbrey, Winkler 2010). Konzepte für den Primarbereich greifen diesen Ansatz auf, so u.a. Maria Montessori, die die intensive Tätigkeit von Kindern als Arbeit, versteht. Wenn sie sich mit den Materialien beschäftigen, verknüpfen sie praktisches Tun/Werken mit emotionalen, sozialen und kognitiven Lernprozessen und somit verbinden sich ‚Ich‘ und ‚Welt‘ (vgl. Montessori 2017). 

Das Lernen im Modus des gemeinsamen Werkens/Arbeitens ist nach Dewey das Kerngeschäft der Pädagogik. Folglich könnte eine Hochschullernwerkstatt im Sinne eines konstruktivistischen Lernbegriffs ein Kernelement in der Lehre und Forschung werden, in dem sich die Interessen der jeweiligen Forschenden in einen Theorie-Praxis-Transfer verschränken (vgl. Stadler-Altmann 2015; Winkler & Stadler-Altmann 2016). Im Kontext des lebenslangen und berufsbegleitenden Lernens liegt der Fokus auf Wissensgenerierung, d.h. Fragen danach, wie Bedeutungen hergestellt und erfahrungsbezogen erweitert werden. So können zum einen Forschungsprozesse für Studierende, pädagogische Fachkräfte im Kindergarten und Lehrkräfte im Schuldienst sichtbar gemacht und deren spezifische Zugänge in die Forschung einbezogen werden (vgl. Stadler-Altmann et al 2018). Zum anderen können theoriegeleitete, didaktische Fragestellungen hinsichtlich der Praxisanforderungen mit Studierenden, Lehrpersonen und pädagogischen Fachkräften weiterentwickelt werden. Der Anspruch ist die Herausforderung didaktisches Denken zu lernen (vgl. Flitner & Scheuerl 2005; Widmann 2013).

Als Beschreibung der pädagogischen Realsituation „zwischen Kooperation und Kollaboration“ eignet sich das Tagungsthema desgleichen zur Analyse kontextueller Faktoren in der Bildungsforschung (vgl. Windzio & Teltemann 2013). Dazu ein Beispiel: Konrad Koch trat 1874 seinen Dienst als Englischlehrer an einem altehrwürdigen deutschen Gymnasium an. Das Fach stößt bei seinen Schülern auf wenig Begeisterung. Wie soll Koch nun seine Arbeit tun, wenn die Schüler nicht kooperieren? Wie kann er sie zum Lernen motivieren? Seine Methode, das Fußballspielen, ist mit Blick auf das Sprachenlernen erfolgreich. Jetzt sind es u.a. seine konservativen Kollegen, die ihm das Arbeitsleben schwermachen. Nun zeigen die Schüler außergewöhnliches Engagement und finden kollaborativ ein Mittel gegen den Missstand.

Hochschullernwerkstätten sind demnach der Ort an und in dem u.a. das am Werk sein bzw. das Tätigsein, der Diskurs und die Reflexion in Lern-, Arbeits- und Spielsituationen im Mittelpunkt stehen und in dem aus einer vielleicht pragmatisch verstandenen Kooperation eine am Gegenstand, dem Werk, eine Kollaboration wird. Diese Perspektiven sollen auf der Tagung in Vorträgen vorgestellt, in den Workshops erarbeitet und gemeinsam diskutiert werden.

Konferenzsprachen sind Deutsch, Italienisch und Englisch. Uns stehen Dolmetscher zur Verfügung, die das gesprochene Wort verfolgen und simultan in die Zielsprache übertragen.

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