Räume schaffen

Evangelische Akademie Loccum
08. - 10. September 2017

Seit dem Ausruf des Spatial Turn wird Raum heute zunehmend relationaler und dynamischer gedacht, was neue Perspektiven auf die materielle und die soziale Welt eröffnet. In Anlehnung an Michel de Certeaus Ausspruch “Ein Raum ist ein Ort, mit dem man etwas macht” (1988, 218) widmet sich das diesjährige Kolloquium einem betont aktiven Umgang mit dem Thema Raum und eröffnet damit das Spannungsfeld räumlicher Potentiale zwischen Visionen und Utopien einerseits, sowie Bedingtheiten und Begrenzungen andererseits. Was heißt es im Kontext kunstpädagogischer Fragestellungen und Anliegen in Lehre und Forschung, Räume zu schaffen – physisch, virtuell, geographisch, sozial? Welche Bedeutung kommt dabei unterschiedlichen Kontexten wie Schule, Museum oder Bildungsmedien und -politik zu?

Kunstpädagogische Kontexte bieten sich an, utopische, verheißungsvolle Räume zu entwerfen. Unterschiedliche Konzepte versuchen dabei spezifische Möglichkeiten des Räumlichen auszuschöpfen. Dies geschieht z.B. durch den Bezug auf die physische Präsenz der Personen im Raum, die soziale und politische Wirkmacht von institutionellen Räumen sowie deren Veränderungspotential. Weiter denkbar ist die Nutzbarmachung digitaler Räume, die beispielsweise die Chance bieten, sich sozialer Stigmata zu entledigen und Positionierungen dadurch neu verhandeln zu können.

Für eine kunstpädagogische und vermittlungsorientierte Forschung sind neben materiellen Orten wie Schule, Museum oder anderen Kunst- bzw. Bildungsinstitutionen immer auch deren immaterielle Bezugs- und Handlungsfelder bedeutsam. Durch das Handeln und Sprechen, das je nach Kontext spezifisch ausfällt, werden Wissensräume produziert, legitimiert, besetzt, abgesteckt und als allgemeingültig markiert. An Fragen nach Orten des Wissens, des Wo?, schließen sich Fragen nach deren Bedingungen und Gegebenheiten an, des Wie?.

Das Kolloquium in Loccum bietet dahingehend zunächst einen physisch verorteten Raum des Diskurses für einen gemeinsamen Austausch: Wo und wie berühren Fragen nach Raum und Räumlichkeit die eigene Forschungstätigkeit? Welche Vorstellungen und Konzeptionen von Räumen scheinen auf? In welchem Verhältnis stehen unterschiedliche Auffassungen und Ausprägungen zueinander, inwiefern greifen sie ineinander, überschneiden und überlagern sich? Welches Potential bieten diese für eine kritische Auseinandersetzung?

Call for Papers
Das kunstpädagogische Forschungskolloquium Loccum 2017 möchte dazu einladen, Fragen zu Räumlichkeiten zu teilen, zu diskutieren, zu reflektieren und zu erweitern. Eine explizite thematische Bezugnahme auf den Call hinsichtlich der eigenen Forschungsarbeit ist wünschenswert, kann aber auch implizit im Rahmen anderer Forschungsschwerpunkte diskutiert werden und ist keine Voraussetzung zur Teilnahme. Als diskussionsbasiertes Kolloquium sind verschiedene Präsentations- und Arbeitsformate willkommen (Workshops, Vorträge, künstlerisch-performative Beiträge). Das Kolloquium richtet sich vornehmlich an Nachwuchswissenschaftler_innen (Promovierende und Post-Docs) und bietet diesen explizit die Möglichkeit, Fragmentarisches und Nicht-Ausformuliertes zur Disposition zu stellen. Ausdrücklich willkommen sind dabei angehende Promovierende, die noch ganz am Anfang ihres Forschungsvorhabens stehen.

Zusendung von Beiträge im Umfang von max. ca. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen bis zum 15. Juni 2017 per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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