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Nicole A. Schrader

Informationen
Details
Vorname
Nicole A.
Nachname
Schrader
Titel der Arbeit
„Die Zeit der Helden ist vorbei“ – (Selbst)bildungsprozesse eines neuen Frauentypus in dystopischen Gegenwartsromanen der Kinder- und Jugendliteratur
Kurzabstract

Wir befinden uns im Wandel der Zeiten. Das Informationszeitalter dynamisiert Entscheidungsprozesse, verändert Kommunikationsformen und transformiert die Definition von Wissen und zugehörigen Bildungsprozessen nachhaltig. Es entsteht eine Pluralität an Identitätsentwürfen, die die Individuen besonders in der Adoleszenz vor eine Vielzahl an Optionen und medialen Inszenierungsstrategien stellen. Die Lernaufgabe der Identitätsbildung ist zu einer ebenso komplexen wie unabdingbaren Herausforderung geworden, um den Erfordernissen der Zeit gewachsen zu sein und daran zu wachsen.

Das Erzählsetting in dystopischen Gegenwartsromanen ist in eine alptraumhafte Zukunft verlegt und birgt daher Antizipationspotential für die primäre Realität der Leserschaft. Die Autor/inn/en fokussieren Protagonisten, die im Prozess der beschleunigten Selbstbildung zu ihren eigenen Lehrer/inne/n werden. Diese neuen, oftmals weiblichen Figuren bieten für literarische Vermittlungsprozesse, die im Rahmen ästhetischer Bildung der Differenz stattfinden, ein großes Potential.

Kern des Promotionsvorhabens ist, den neuen Frauentypus‘ in fünf dystopischen Arrangements, zu analysieren. Das Panorama reicht von der radikalen Kriegerin Katniss Everdeen aus S. Collins Panem-Trilogie zu der hochgebildeten Elitestudentin aus U. Poznanskis Eleria-Trilogie, deren Potentiale möglicherweise in ihren (Selbst-)bildungsprozessen liegen. Die neuen Frauenfiguren sind krisengeschwächt, aber sehr lernfähig. Sie hadern mit der Indoktrination totalitärer Gesellschaftssystemen und ihrer festgelegten Rolle darin. In Anknüpfung an ihren Individuationsprozess folgt eine Transformation des Systems von innen heraus. Die Lernerfahrungen der Protagonistinnen knüpfen vorbildlich an Sozialisationserfahrungen der jungen Leserschaft an.

Die Realwerdung des negativsten aller Zukunftsszenarien überzeichnet die Erfahrungen der primären Realität und eröffnet eine bisher wenig erschlossene Reflexionsmöglichkeit. Mittels diskursorientierter Praxis und der literaturwissenschaftlich-psychoanalytischen Methode lassen sich Wege finden, die sowohl diachrone als auch synchrone Betrachtungen ermöglichen. In einem weiteren Schritt werden aus den Analyseergebnissen Konsequenzen für didaktische Zielsetzungen abgeleitet. In der gegenwärtigen Forschungslandschaft lässt sich erkennen, dass Frauenbilder in der Future Fiction benannt und deren Potentiale ansatzweise erkannt werden. Die (Selbst-)bildungsprozesse werden jedoch nicht fokussiert. Zeitdiagnostisches Potential wird den Texten seitens der kritischen literaturdidaktischen Perspektive oftmals abgesprochen. Die Didaktisierung des Genres einen Schritt voranzubringen, ist ein Anliegen der Dissertation.

Studienabschluss
Master of Education (Germanistik/Darstellendes Spiel)