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Kalja Kanellopoulos

Informationen
Details
Vorname
Kalja
Nachname
Kanellopoulos
Titel der Arbeit
Innovative Formen von Kommunikation und Interaktion – eine ethnographische Studie an interaktiven und kooperativen Medien im Museum
Kurzabstract

Längst hat die digitale Revolution auch den kulturellen Bildungssektor erreicht – allen voran die Museen. Als sammelnde, bewahrende, erforschende und vermittelnde Institutionen eröffnet ihnen die digitale Technik neue Chancen und Wege und nötigt gleichzeitig dazu, sich neuen Aufgaben und Herausforderungen stellen zu müssen.

Dies betrifft die Katalogisierung, Restaurierung und Untersuchung von Exponaten, aber auch die Art und Weise ihrer Ausstellung. In Bezug auf letztere ist eine Fokusverschiebung zu verzeichnen, die den Museumsbesucher ins Zentrum aller Bemühungen rückt. Jener soll die Ausstellung aktiv erleben. Eng verknüpft mit diesem Erleben ist die Interaktivität mit technischen Artefakten, ebenso wie die soziale Interaktion mit anderen. In diesem Zusammenhang kann zudem eine steigende Bedeutung von Spiel und Narration festgestellt werden. Das sozialwissenschaftliche Promotionsprojekt im interdisziplinären, von der DFG geförderten und an der TU Chemnitz angesiedelten Graduiertenkolleg CrossWorlds, nimmt eben diese Entwicklung in den Blick. Untersucht werden Kommunikations- und Interaktionsmuster an interaktiven, kooperativen Medien im Museum. Orientierungsgröße ist dabei die face-to-face-Interaktion, gekennzeichnet durch körperliche Kopräsenz und gegenseitige Wahrnehmung der Teilnehmer.

Mit in die Untersuchung eingeschlossen werden sowohl Prozesse der aktuellen Nutzung derartiger Medien im musealen Kontext als auch solche ihrer Entwicklung und Gestaltung, sowie die Wechselwirkungen und Dynamiken zwischen ihnen. Das Untersuchungsfeld ist durch eine Vielzahl heterogener Akteure und zum Einsatz kommender Textformen, Medien und Praktiken gekennzeichnet. Dieser Komplexität wird methodisch durch eine Triangulation von Ethnographie und Situationsanalyse Rechnung getragen. Ethnographie zeichnet sich als eine qualitative Forschungsstrategie der empirischen Datengewinnung durch starke Kontextbezogenheit und eine Vielfalt an zum Einsatz kommenden Methoden aus. Der Forscher gewinnt durch verschiedene Formen des Beobachtens und Befragens Zugang zum Feld, den in ihm agierenden Akteuren und deren sozialen Praktiken. Die Daten werden in diesem Fall über einen Zeitraum von 2 Jahren hinweg gewonnen, während derer die Forscherin an der Lebenswelt und -praxis des untersuchten Feldes teilhat. Diese Teilhabe umfasst zum einen Multi-Site-Forschung in verschiedenen Museen und Ausstellungen. Zum anderen kann durch die besondere Struktur des Projektes auf sehr spezifische Weise Einblick in den technischen Entwicklungsprozess gewonnen werden: Parallel zum eigenen Promotionsvorhaben wird in enger Zusammenarbeit mit einem Medieninformatiker an der Gestaltung eines mehrnutzerfähigen Multitouchtisches für das Industriemuseum in Chemnitz gearbeitet und damit Technisches und Soziales in seiner Wechselwirkung in den Blick genommen. Der erste Prototyp des Multitouchtisches wird ab etwa Juli 2013 im Museum aufgestellt und der Umgang der Besucher mit diesem untersucht. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse werden wiederum in den weiteren technischen Entwicklungsprozess mit einbezogen. Neben der Ethnographie wird im Rahmen der vorliegenden Studie methodisch auf die Situationsanalyse (SitA) zurückgegriffen, einen spezifischen Forschungsstil qualitativer sozial- wissenschaftlicher Datengewinnung und -analyse. (vgl. Clarke 2011) Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der Grounded Theory (GT). Zu den zentralen Merkmalen beider Forschungsstile gehört ein iterativ-zyklisch ablaufender Forschungsprozess, in dem verschiedene Arbeitsphasen, wie Datengewinnung, -analyse und Theoriebildung, zeitlich eng ineinandergreifen. Die Organisation des Arbeitsprozesses ist dabei zentral: Das weitere Vorgehen muss immer wieder anhand der bis dato gezogenen Erkenntnisse und aufgeworfenen Fragen flexibel neu justiert werden. Mit dem Ziel, der Komplexität heutigen Lebens in stärkerem Maße gerecht zu werden, rückt die SitA im Vergleich zur handlungsorientierten GT zum einen die Situation als basale Untersuchungseinheit ins Zentrum der Betrachtung. Zum anderen stellt sie den traditionellen GT-Analysen das Mapping zur Seite, eine Alternative zur kartografischen Situationsanalyse. Maps sind durch ihre räumlich-visuelle Dimension in besonderem Maße geeignet, um Unterschiede der Perspektiven und der Positionierung sichtbar zu machen. Aus der bisherigen Arbeit am Projekt geht zudem hervor, dass durch die Zuhilfenahme der visuellen Dimension disziplinäre Gräben in einer interdisziplinären Zusammenarbeit in entscheidender Weise überbrückt werden können.

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